Buchtipp

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Lerchen und Löwen E-Mail

Stefan Haffner
Lerchen und Löwen
Ein historischer Leipzig-Krimi

240 Seiten, Br.
Preis: 9,90 €
ISBN 978-3-89812-395-2

Leipzig 1842. Als der Bauer Max Wiegand an einem Wintermorgen eine übel zugerichtete Leiche auf seinem Acker findet, flucht er aus vollem Hals – und ist entsetzt und glücklich zugleich, denn seine Reaktion ist die eines ganz normalen Mannes in einer ganz normalen Zeit auf einen Gott verdammt noch mal gar nicht normalen Anblick. Stefan Haffners Krimi beleuchtet mit viel Liebe zum Detail Leipzig nach der Völkerschlacht, taucht ein in die Abgründe und Hoffnungen jener Menschen, deren Kindheit vom Tod geprägt war und die nun an der Schwelle zu einer neuen Zeit stehen. Das Schicksal von Kommissar Martin Held, dem Barbier Gustav, dem stummen Straßenjungen Benjamin, Theodor Fontane oder der Hamburger Hure Lulu wird eins in einem Reigen, dessen Hauptdarsteller das historische Leipzig selbst ist, das vor den Augen des Lesers zu neuem Leben erwacht.

Der Autor
Stefan Haffner, geboren 1962 im Münsterland, lebt und arbeitet nach einigen Lehr- und Wanderjahren zwischen Sevilla und Stockholm seit 1994 in Leipzig. Die Begeisterung für seine Wahlheimat Leipzig findet ihren ersten literarischen Niederschlag in der Reihe der historischen Kriminalromane rund um den Leipziger Kommissar Martin Held.
Mehr Informationen zum Autoren unter: http://www.stefan-haffner.de/.

Leseprobe
Nur das, was er nun da vor sich liegen sah, passte so gar nicht in seine zufriedene Morgenstimmung.
Er war es gewöhnt, auf seinen Feldern Knochen zu finden, Schädel, Skelette, die sich teilweise noch in vermoderten Uniformen oder mit einer Waffe in der Hand hinter dem Pfluge aus der Furche stemmten, nur um dann gleich wieder in sich zusammenzufallen. An einigen Stellen wusste er sogar von Massengräbern, schließlich hatte er selbst sie als Kind mit ausgehoben und geholfen, Pferdekadaver und tote Soldaten hineinzuwälzen, ein Werk, an dem sich alle Bauern beteiligt hatten, Männer, Frauen und Kinder, bloß, dass man wieder Luft bekam nach dem Gestank von hunderttausend Toten. Und ehrlich gesagt hatten die Bauern damals auch so manchen, der noch nicht ganz tot war, tot gemacht, denn sie hassten die Soldateska, die ihnen die ganze Gegend verwüstet hatte in einer einzigen schrecklichen Woche.
Aber diese Leiche am Zaun, der die Raben schon das halbe Gesicht, angefangen mit den Augen, weggefressen hatten, die war ziemlich frisch. Als geübter Hausschlachter sah er, dass das braun geronnene Blut vor mindestens drei Stunden aus diesem Körper geflossen war und der Anblick weckte ein altes Grauen. Es waren Spuren von Menschen und Fuhrwerken hinter der Leiche zu erkennen. Das sah verdammt noch mal genau so aus wie 1813.
Der Mann lag in einer großen geronnenen Pfütze, die von einem Handteller groß aufgerissenen Loch aus seinem Unterbauch hervorgeströmt war und in der er, wie auf eine rot-braune Schärpe hingebettet, auf dem verschneiten Boden lag. Aber etwas war dieses Mal völlig anders.

 
Die Rückkehr der Wölfin E-Mail


Stefan Haffner
Die Rückkehr der Wölfin
Martin Helds zweiter Fall
Ein historischer Leipzig-Krimi

240 Seiten, Br.
Preis: 9,90 €
ISBN 978-3-89812-427-0

Frühjahrsmesse Leipzig, 1844: Martin Held und seine Kollegen haben alle Hände voll zu tun, während der chaotischen Messezeit für Ordnung und Sicherheit in der Stadt zu sorgen. Da werden sie mit einem bestialischen Mord auf einer Hotelbaustelle konfrontiert. Ein Handwerker wird mit durchbissenem Nacken aufgefunden; das Gerücht vom »Werwolf von Leipzig« ist geboren. Kaum haben die Ermittler die Arbeit aufgenommen, wird eine zweite Leiche gefunden. Ausgerechnet ein Messegast ist der Bestie zum Opfer gefallen …

Der Autor
Stefan Haffner, geboren 1962 im Münsterland, lebt und arbeitet nach einigen Lehr- und Wanderjahren zwischen Sevilla und Stockholm seit 1994 in Leipzig. Die Begeisterung für seine Wahlheimat Leipzig findet ihren ersten literarischen Niederschlag in der Reihe der historischen Kriminalromane rund um den Leipziger Kommissar Martin Held.
Mehr Informationen zum Autoren unter: http://www.stefan-haffner.de/

Leseprobe
Kroll war wieder abgetaucht. „Sechsunddreißig Komma fünf!“, jubilierte er plötzlich, und sein Freundensschrei klang dumpf in den leeren Räumen. „Wir haben ihn tatsächlich nur knapp verpasst!“ Triumphierend hielt er das blutverschmierte Thermometer in die Höhe, und der Leichnam sackte keuchend in die Bauchlage zurück.
Jetzt starrte auch Martin Gottlieb ärgerlich an. Du machst es einem wirklich nicht leicht, dachte er. Mensch noch mal, Gottlieb.
Kroll ließ das Thermometer sinken und blickte in die Runde eingefrorener Gesichter. „Sechsunddreißig Komma fünf Grad“, wiederholte er noch einmal, bedeutend leiser jetzt. Die summende Stadt unterstrich das vorwurfsvolle Schweigen, das ihn umgab. „Er ist seit höchstens zwei Stunden tot, eher kürzer“, fügte Kroll hinzu. Die Freude war aus seiner Stimme verschwunden; er klang jetzt müde und ausgelaugt. Dann aber fing er den Blick der umstehenden Polizisten und des Jungen, der den Toten gefunden hatte, auf, die voller Entsetzen an ihm vorbei und auf die Leiche starrten. Als auch Martin es ihnen gleichtat, erstarrte er. Im Zurückrollen war das zum Hals hinaufgeschobene Hemd des Toten zurückgeglitten, und man sah nun den Nacken.
„Oh, mein Gott!“, keuchte Kroll.
Auch Martin und Bernhardt schluckten schwer, und Bernhardt ließ beinahe seinen Skizzenblock fallen.
„Schafft den Jungen weg!“, brüllte Martin. Doch der brauchte keine Aufforderung mehr, um sich zu entfernen. Nun bereute er wohl seine Neugierde, denn er drängte sich rempelnd durch die Umstehenden aus dem Sichtkreis der Laternen heraus und stürzte wie vom Teufel gejagt das Treppenhaus hinab. Martin konnte hören, wie er sich noch auf dem Weg ins untere Geschoss übergab. Bernhardts und Martins fassungslose Blicke trafen sich über dem Nacken des Opfers, der von einer klar markierten Reihe von Fangzähnen bis auf die Wirbelsäule hindurch zerbissen war. Weiß schimmerte der Knorpel der Gelenke aus der Wunde.
„Sehr schön! Die Todesursache wäre damit wohl geklärt“, stellte Kroll trocken fest.
Niemand widersprach ihm.