Stefan Haffner Lerchen und Löwen Ein historischer Leipzig-Krimi gelesen von Jörg-Uwe Schröder
7 CDs im Pappschuber ca. 486 Spielminuten Preis: 24,90 € ISBN 978-3-89812-498-0
Leipzig 1842. Als der Bauer Max Wiegand an einem Wintermorgen eine übel zugerichtete Leiche auf seinem Acker findet, flucht er aus vollem Hals – und ist entsetzt und glücklich zugleich, denn seine Reaktion ist die eines ganz normalen Mannes in einer ganz normalen Zeit auf einen Gott verdammt noch mal gar nicht normalen Anblick. Stefan Haffners Krimi beleuchtet mit viel Liebe zum Detail Leipzig nach der Völkerschlacht, taucht ein in die Abgründe und Hoffnungen jener Menschen, deren Kindheit vom Tod geprägt war und die nun an der Schwelle zu einer neuen Zeit stehen. Das Schicksal von Kommissar Martin Held, dem Barbier Gustav, dem stummen Straßenjungen Benjamin, Theodor Fontane oder der Hamburger Hure Lulu wird eins in einem Reigen, dessen Hauptdarsteller das historische Leipzig selbst ist, das vor den Augen des Lesers zu neuem Leben erwacht.
Der Autor Stefan Haffner, geboren 1962 im Münsterland, lebt und arbeitet nach einigen Lehr- und Wanderjahren zwischen Sevilla und Stockholm seit 1994 in Leipzig. Die Begeisterung für seine Wahlheimat Leipzig findet ihren ersten literarischen Niederschlag in der Reihe der historischen Kriminalromane rund um den Leipziger Kommissar Martin Held. Mehr Informationen zum Autoren unter: http://www.stefan-haffner.de/.
Der Sprecher Jörg-Uwe Schröder, geboren 1961, Schauspielstudium an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. Tätigkeiten als Schauspieler, Rezitator und Hörbuchsprecher. Mitwirkung in Fernsehserien wie „Verbotene Liebe“, „Der Fahnder“ und „Soko“.
Leseprobe Nur das, was er nun da vor sich liegen sah, passte so gar nicht in seine zufriedene Morgenstimmung. Er war es gewöhnt, auf seinen Feldern Knochen zu finden, Schädel, Skelette, die sich teilweise noch in vermoderten Uniformen oder mit einer Waffe in der Hand hinter dem Pfluge aus der Furche stemmten, nur um dann gleich wieder in sich zusammenzufallen. An einigen Stellen wusste er sogar von Massengräbern, schließlich hatte er selbst sie als Kind mit ausgehoben und geholfen, Pferdekadaver und tote Soldaten hineinzuwälzen, ein Werk, an dem sich alle Bauern beteiligt hatten, Männer, Frauen und Kinder, bloß, dass man wieder Luft bekam nach dem Gestank von hunderttausend Toten. Und ehrlich gesagt hatten die Bauern damals auch so manchen, der noch nicht ganz tot war, tot gemacht, denn sie hassten die Soldateska, die ihnen die ganze Gegend verwüstet hatte in einer einzigen schrecklichen Woche. Aber diese Leiche am Zaun, der die Raben schon das halbe Gesicht, angefangen mit den Augen, weggefressen hatten, die war ziemlich frisch. Als geübter Hausschlachter sah er, dass das braun geronnene Blut vor mindestens drei Stunden aus diesem Körper geflossen war und der Anblick weckte ein altes Grauen. Es waren Spuren von Menschen und Fuhrwerken hinter der Leiche zu erkennen. Das sah verdammt noch mal genau so aus wie 1813. Der Mann lag in einer großen geronnenen Pfütze, die von einem Handteller groß aufgerissenen Loch aus seinem Unterbauch hervorgeströmt war und in der er, wie auf eine rot-braune Schärpe hingebettet, auf dem verschneiten Boden lag. Aber etwas war dieses Mal völlig anders.